Demenz und Queer

Unsichtbar, aber nicht vergessen – warum queere Menschen mit Demenz besondere Aufmerksamkeit verdienen Wenn wir über Demenz sprechen, denken viele zunächst an Gedächtnisverlust, Orientierungslosigkeit und den zunehmenden Unterstützungsbedarf im Alltag. Doch was passiert, wenn diese Diagnose Menschen betrifft, deren gesamte Lebensgeschichte von einem ganz besonderen Spannungsfeld geprägt ist: von Unsichtbarkeit, Diskriminierung, Anpassungsdruck und gesellschaftlichem Wandel? Genau hier geraten queere Menschen mit Demenz leicht aus dem Blick. Dabei brauchen sie besondere Aufmerksamkeit – für eine würdevolle und sensible Begleitung im Alter.
Ein lächelnder Mann in einem grünen Pullover sitzt vor einem Fenster, umgeben von anderen Menschen.
Queeres Altern: Leben mit doppelter Unsichtbarkeit Schätzungen zufolge identifizieren sich etwa 5 bis 10 Prozent der älteren Bevölkerung als LSBTIQA*-Personen. Dennoch sind queere Senior:innen in Pflegeeinrichtungen nach wie vor weitgehend unsichtbar. Oft wird in der Pflege automatisch von Heterosexualität ausgegangen, queere Biografien bleiben unbeachtet . Dabei haben viele LSBTIQA*-Personen in ihrem Leben massive Diskriminierung, Ausgrenzung und sogar strafrechtliche Verfolgung erlebt – beispielsweise durch den § 175, der homosexuelle Männer bis 1994 kriminalisierte . Viele haben gelernt, ihre Identität zu verstecken – nicht selten aus Angst vor beruflichen oder gesellschaftlichen Konsequenzen. Diese Erfahrungen wirken oft bis ins hohe Alter nach und beeinflussen auch die Art, wie queere Menschen Pflege und Betreuung erleben . Demenz trifft auf queere Biografien: Belastungen, die sich verstärken Demenz bedeutet für alle Betroffenen den Verlust von Orientierung und Kontrolle. Für queere Menschen kommen weitere Belastungen hinzu. Das sogenannte „Minority Stress Model“ beschreibt die dauerhafte psychische Belastung durch Stigmatisierung, Verstecken der eigenen Identität und Angst vor Ablehnung . Dieser dauerhafte Stress kann sich negativ auf die Gesundheit auswirken und wird als ein Risikofaktor für Demenz diskutiert . Hinzu kommt: Menschen mit Demenz greifen häufig auf Erinnerungen aus der Vergangenheit zurück. Wer jahrzehntelang in Angst und Heimlichkeit gelebt hat, für den können alte Ängste, Schamgefühle oder traumatische Erfahrungen wieder besonders präsent werden . Angst vor doppeltem Vergessen Für queere Menschen mit Demenz gibt es spezifische Ängste:
  • Vergessen, wem man sich anvertraut hat.
  • Erneutes Verstecken der eigenen Identität aus Angst vor Ablehnung.
  • Diskriminierungserfahrungen in Pflegeeinrichtungen.
Ein lächelnder Mann in einem dunkelgrünen Pullover sitzt vor einem Fenster, umgeben von anderen Menschen.
Manche Einrichtungen behaupten zwar, sie hätten keine queeren Bewohner:innen – in Wahrheit bedeutet das oft nur: niemand traut sich, sich zu outen . Dabei ist das Bedürfnis nach Akzeptanz, Nähe und authentischem Leben bis ins hohe Alter präsent. Besonderheiten bei trans und inter Personen** Gerade trans* und inter* Personen stehen bei einer Demenz vor zusätzlichen Herausforderungen. Veränderungen der eigenen Körperwahrnehmung, Unsicherheit beim Ansprechen von Namen und Pronomen oder die Konfrontation mit nicht mehr erinnerbaren medizinischen Eingriffen können verunsichern und retraumatisieren . Hier braucht es besonders geschulte, sensible Pflegekräfte, die über geschlechtliche Vielfalt informiert sind und offen damit umgehen können . Pflegeeinrichtungen: Noch viel Luft nach oben Aktuell bieten nur rund drei Prozent der stationären Pflegeeinrichtungen in Deutschland spezifische Angebote für queere Senior:innen . In den meisten Einrichtungen fehlt es an Wissen, an Fortbildungen und an sensiblen Konzepten, die queere Lebensrealitäten berücksichtigen. Dabei könnte schon mit kleinen Maßnahmen viel erreicht werden: Regenbogensymbole, queere Literatur im Gemeinschaftsraum, Sensibilisierungstrainings für Mitarbeitende . Ein gelungenes Beispiel ist das Berliner Projekt „Lebensort Vielfalt“ der Schwulenberatung Berlin. Hier leben queere Senior:innen generationsübergreifend zusammen, unterstützt von geschultem Fachpersonal . Was konkret getan werden kann Damit Pflegeeinrichtungen queersensibler werden, braucht es:
  • Verbindliche Fortbildungen: Wissen zu LSBTIQA*, Sexualität im Alter und queerer Biografien muss fester Bestandteil der Ausbildung werden.
  • Individuelle Pflegeplanung: Pflege- und Betreuungspläne sollten die Lebensgeschichte und Identität der Bewohner:innen einbeziehen.
  • Sichtbare Zeichen setzen: Regenbogenflaggen, queere Zeitschriften und ein offenes Leitbild schaffen Vertrauen.
  • Schutz vor Diskriminierung: Einrichtungen müssen Diskriminierung aktiv vorbeugen und eine klare Haltung zeigen.
  • Wahlfamilien einbinden: Viele queere Menschen haben enge Freund:innen oder Wahlfamilien, die für sie genauso wichtig sind wie biologische Angehörige.
Fazit: Vielfalt ernst nehmen – auch bei Demenz Demenz betrifft alle Menschen. Doch queere Senior:innen bringen Biografien mit, die von Mut, Überlebenskunst und Anpassung geprägt sind. Diese Lebensgeschichten verdienen Anerkennung und eine Pflege, die sensibel auf ihre Besonderheiten eingeht. Pflege darf nicht erneut zur Quelle von Unsichtbarkeit und Diskriminierung werden, sondern muss Schutzraum und Heimat bieten. Demenz und Queer dürfen kein blinder Fleck mehr sein – sondern ein selbstverständlicher Teil einer inklusiven, respektvollen Pflege für alle- Quellen: Kompetenzzentrum Demenz Schleswig‒Holstein: Demenz und Queer Broschüre Schwulenberatung Berlin: Vielfalt in der Pflege Praxisleitfaden
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